Die Burschenschaft

(Auszug aus der Seyringer Chronik)
 

Im volkskundlichen Sinn bedeutet Burschenschaft - im Gegensatz zur Deut­schen studentischen Bewegung der Burschenschaften - einen Bund unverhei­rateter, junger Männer (Burschen). Solche Vereinigungen sind im bayrisch­alemannisch-österreichischen Raum verbreitet. Als Traditions- und Brauch­tumsträger bewahren sie die regionalen Überlieferungen, wachen verschiedent­lich im Sinn einer derb-schalkhaften Volksjustiz über Sitte und Moral (Bur­schengerichte, Maisteg u. a.) und üben zu bestimmten Anlässen (Aufstellen des Maibaumes, Wegheirat eines Mädchens aus dem Dorf) ein Heischerecht aus.
Diese völlig freie und zwanglose Vereinigung der Burschen Seyrings umfasst jeden Burschen des Dorfes, der aus der Pflichtschule ausgetreten und noch nicht verheiratet ist. Aufnahme und Ausscheiden erfolgen also auf Grund gegebener Voraussetzungen ohne Zutun des einzelnen. Ob er von seiner Zugehörigkeit Ge­brauch macht, bleibt allein ihm selbst überlassen. Das zwanglose Selbstverständ­nis der Burschenschaft kennt weder Statuten, Mitgliedslisten oder andere schrift­liche Unterlagen, noch die Frage nach politischer Gesinnung. Die Sprecher, auch Obmänner, werden von den Burschen formlos angenommen. Gibt es meh­rere gleichwertige Anwärter, wird auch manchmal gewählt. Die Übergabe der Obmannstelle ist symbolisch. Freilich ist das Zusammenhalten einer derart losen Korporation schwierig. Die stetige Erweiterung des Dorfes in Verbindung mit einem Strukturwechsel von der bäuerlichen Ansiedlung zum großräumigen Wohngebiet und die zunehmende Motorisierung verringern die gegenseitigen Kontakte und damit die Möglichkeit zu gemeinsamen Aktivitäten.

Die Hauptaufgabe des Burschenkomitees ist die Organisation des Kirtages der
Seyringer Burschenschaft.
An Brauchtum wird das Aufstellen der Maibäume, die Bitte um Stupfwein und das Ritual von weißer und schwarzer Braut gepflegt.

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Hochzeitsbrauch in Seyring
(Auszug aus der Seyringer Chronik)
 


Heiratet ein Seyringer aus der Burschenschaft, so findet eine Woche
vor der Hochzeit ein Polterabend statt, zu dem alle aktiven Burschen eingeladen sind. Bei dieser Gelegenheit wird dem Bräutigam ein Geschenk der Burschenschaft überreicht.

Heiratet ein Seyringer Mädchen aus dem Dorfe weg, so findet dieses Ritual vor der Kirche im Freien statt. Zusätzlich wird der Pfarrersteig mit einem Band abgesperrt. Die für die Dorfburschen verlorene Braut muss nun durch Spenden symbolisch freigekauft werden. Erst dann wird die Absperrung durchschnitten, der Weg aus dem Dorf ist für die Braut frei.

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Am Hochzeitstag gehen zwei ausgewählte Burschen stellvertretend zur Hochzeitstafel und heischen mit folgenden überlieferten Sprüchen um Stupfwein:



1. Bursch

Die Seyringer Burschen
schicken uns rein
und bitten um Stupfwein
Unser Begehren ist nicht viel und nicht wenig:
ein Eimer Wein,
ein halbes Schwein,
zwei bis drei Laib Brot.
Und ein Tänzchen in Ehren
soll uns der Bräutigam gewähren
Und gewährt er uns dies,
so bedanken sich die Seyringer Burschen in Ehren.
 


2. Bursch

(Erhebt das Glas und sagt)

Dieser soll gewachsen sein
zu Köln am Rhein.
Und ist er nicht gewachsen
zu Köln am Rhein,
so soll er gewachsen sein
unter hellstem Sonnen - und Mondenschein
und soll unserem
werten Brautpaar
den Kranzeljungfrauen
und allen Gästen zum Wohle sein!

 

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Die beiden Burschen und das Brautpaar trinken den Wein ex und schleudern das Glas auf den Boden, dass es zerschellt. Anschließend muss zur allgemeinen Erheiterung der Hochzeitsgäste der Bräutigam die Scherben mit einem Besen aufkehren, wobei die Braut die Schaufel hält. Die Burschen verlassen nun die Gesellschaft oder werden eingeladen, bei der Tafel zu bleiben.



Maibäume in Seyring
(Auszug aus der Seyringer Chronik)

Mit dem Aufstellen der Maibäume ist einige Vorbereitung verbunden. Es be­ginnt mit dem Aussuchen der Bäume. An der Bildeiche in Pillichsdorf treffen sich die Burschen mit dem Förster des Traunschen Forstamtes Wolkersdorf. Ge­meinsam werden dann im Hochleitenwald die geeigneten Föhren ausgesucht, gekauft und gekennzeichnet.

Am Samstag vor dem letzten April werden die Bäume aus dem Wald geholt. Nachdem sie gefällt sind, findet traditionell ein Picknick im Wald statt.

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Auf einem Anhänger und einem Nachläufer werden die Stämme schließlich mit dem Traktor nach Seyring gebracht. Eine Dorfrunde mit fröhlichem Gesang beendet die Fahrt.

 
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Am Abend des 30. April werden die geschälten Föhren mit einem Kranz geschmückt vor dem Haus des Feuerwehr­hauptmannes und dem Gasthaus aufgestellt. Ist dies geschehen, werden nach einer Stärkung im Gasthaus beim Lagerfeuer traditionelle Lieder gesungen. Dabei werden die beiden Maibäume bis zum Sonnenaufgang nicht aus den Augen gelassen um das umschneiden anderer Burschen aus den umliegenden Ortsteilen zu verhindern.

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Am 31. Mai werden die Maibäume wieder umgelegt und dem durch den Mai­baum Geehrten übergeben.

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